Künstlerin: Amati Holle
Künstlerin: Amati Holle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

höhlenzeit

 

es scheint

dass mir in dieser welt

die – lauter werdend – kaum gefällt

es wachsend weise schwerer fällt

nur schritt zu halten.

da muss ich ruhe walten

lassen

ein herz fassen

und mutig schritte tun

die andere noch unterlassen

und tag und nächte ruh’n

und buße tun

von weinen, wütend fäuste ballen

bis lachen, dass die wände hallen

in höhlen, die ich tief gegraben

in zeiten, da ich zukunftsahnend

ohne erkennbar scheinend sinn

zeitvertreibend

schwielenteibend

hubweise angefangen bin...

 

mir blieb die zeit

rückzug zu planen

fluchtwege

labyrinthe bahnen

gehörte schlicht zur kinderzeit

ohne kontrolle weit und breit

ein vorteil

wenn kind dazu neigt

sich ungeseh’n zu fühlen

beim maulwurfsgleichen wühlen...

nur blind

das war ich nicht

als kind

im tiefsten dunkel – immer licht!

 

doch

wo sind nun die höhlenwände

auf denen

uns’rer kinder hände

heut’

unbewertet

ungefordert

ungefördert

ungeordert

zeichen ihrer seele malen –

wo dürfen sie ihr inn’res strahlen?

wo ist der eingang , wo der weg?

muss kind wie momo rückwärts geh’n?

durch plastikpuppen, legotürme

virtuelles kriegsgestürme

im nächtlichen restzeitenfenster

mit phosphoriszierenden gespenstern

die künstlich leuchtend nacht verhindern

und tiefschlafwundertraum behindern.

wo ist die stille, dunkle höhle

ohne werbespotgegröhle?

und

wann ist die zeit

höhlen zu graben

wo ort und recht

auf rückzug haben?

in neonhellgrellschneller zeit

in der kaum mensch

ob groß ob klein

einfach nur verweilt.

nur um der langen weile willen

die laute hast zu stillen.

 

lasst uns

in höhlenlosen zeiten

den raum

im innersten bereiten

den lärm ausschalten

und stille gestalten

lassen.

lassen.

lassen.

 

Harsaran

2012